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Weltkulturerbe-Runde!

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Kalte Rinne Viadukt in den Adlitzgräben.

Die Zweite meiner Frühjahrstouren führte mich ins Nachbarbundesland Niederösterreich. Ich hatte mir eine knapp 80 km lange Strecke mit 1210 Höhenmetern ausgesucht. Die geplante Route führte über 2 Gebirgspässe, an welchen die Grenze zwischen der Steiermark und Niederösterreich verläuft. Wie immer bei Touren auf guten, befestigten, größtenteils asphaltierten Straßen war ich mit meinem Trekkingbike unterwegs.

Nach einer für den heurigen April vergleichsweise "milden" Nacht mit einer Frühtemperatur von 7 Grad radelte ich nach Auflösung der Hochnebelfelder um 09:30 los. Der Wetterbericht versprach strahlenden Sonnenschein bis Mittag und einzelne zum Teil gewittrige Regenschauer für den Nachmittag. Der Weg führte mich auf dem Mürztalradweg R5 zunächst über ca. 12 km bis Mürzzuschlag und verläuft hier größtenteils auf sehr ruhigen Nebenstraßen mit kaum Verkehr. Einige wenige Radfahrer waren unterwegs. 

Es war ein sehr angenehmes Radeln immer entlang der Südbahnstrecke und des Flusses Mürz, vorbei an den Ortschaften Langenwang und Hönigsberg, bis nach Mürzzuschlag. Obwohl ich diese Strecke schon gefühlte 1000 Mal gefahren bin finde ich sie immer wieder schön.

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Auf dem Radweg R5 zwischen Langenwang und Hönigsberg

In Mürzzuschlag bog ich dann nach links in das obere Mürztal ab. Hier verläuft der R5 auf der Trasse der ehemaligen Eisenbahnlinie nach Neuberg an der Mürz, die mit Ende des Jahres 2000 eingestellt wurde. 2011 wurde der Radweg eröffnet. Eine wunderschöne Strecke entlang der Mürz, gelegen im Naturpark-Mürzer-Oberland. Sehr zu empfehlen auch an heißen Sommertagen, da weite Teile im Schatten neben dem kühlenden Fluss verlaufen. In Mürzzuschlag kann man auch das erste Mal einen Blick auf die 1903 m hohe Schneealm erspähen die in der Ferne zu erkennen ist. Es liegt heuer immer noch ein Menge Schnee auf den Bergen.

In Kapellen biegt man bei der Röststation Richtung rechts ab. Die Kaffeerösterei ist im wunderschönen, denkmalgeschützten, ehemaligen Bahnhofsgebäude von Kapellen untergebracht. Eine Einkehr ist sehr zu empfehlen und für Kaffeeliebhaber ohnehin ein Muß.

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Die Röststation in Kapellen.

Nach wenigen hundert Metern auf der L103, der Preiner-Gscheid-Straße, eröffnet sich einem der Blick auf die Rax, mit der höchsten Erhebung, der Heukuppe (2007 m.ü.A.). 

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Blick auf die Rax mit der Heukuppe als höchster Erhebung.

Der, vor allem unter der Woche sehr verkehrsarmen Landesstraße, folgte ich dann bis auf das Preiner-Gscheid (1070 m.ü.A.) Das Preiner-Gscheid ist der Erste der Eingangs erwähnten Gebirgspässe. Die Straße dorthin verläuft sehr schön entlang des Raxenbachs in den Raxengraben hinein.

Am Ende des Grabens geht es dann immer steiler bergauf. Die größte Steigung beträgt hier 11%. Schließlich erreichte ich das Preiner-Gscheid. Die Passhöhe ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wander- und Klettersteig-Touren auf die Rax, im Winter für Skitouren. Da ich an einem Donnerstag unterwegs war hielt sich der Besucherandrang sehr in Grenzen. Nur ein Dutzend Autos standen auf dem Parkplatz. An schönen Wochenenden dagegen ist der große Parkplatz schon früh am Vormittag bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch hier führt der enorme Ansturm von Erholungssuchenden mittlerweile zu Problemen.

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Am Preiner Gscheid.
 Niederösterreich, Prein an der Rax, Alpen,
Blick nach Niederösterreich, im Tal in der Bildmitte erkennt man die Ortschaft Prein an der Rax.

Nach kurzer Rast ging es dann in flotter Fahrt die kurvenreiche Straße hinunter nach Prein an der Rax, meinem nächsten Etappenziel.

Ab Prein an der Rax folgte ich dann der Straße Richtung Orthof. Gleich von Beginn an steigt die Straße wieder stark. Die kleine steile Nebenstraße führte mich mitten durch den Wald und war sehr schön zu fahren, da mir auf der ganzen Strecke nur vereinzelte Autos begegneten. Die meiste Zeit war es fast völlig still, nur ab und zu waren ein paar Vögel zu hören. Ein Eichhörnchen lief unmittelbar vor mir über die Straße.

Der steile Anstieg verlangte mir einiges ab. Zwischendurch musste ich einen kleinen Stopp einlegen um mir etwas Energie in Form eines Schokoriegels zuzuführen. Ab dem Rehabilitationszentrum Raxblick wurde ich wieder mit wunderschönen Ausblicken auf die Rax und den Schneeberg belohnt.

Schneeberg, Niederösterreich,
Der Schneeberg (2076 m ü. A.)
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Die Rax einmal aus einer anderen Perspektive.
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Kurz vor Orthof, im Hintergrund ist schon der Sonnwendstein (Höchster Berg im Semmeringgebiet) zu erkennen.

Bei Orthof teilt sich die Straße und es gibt zwei Möglichkeiten nach Breitenstein zu gelangen. Ich wählte die malerische Kalte-Rinne-Straße durch die Adlitzgräben, vorbei am bekannten Adlitzgräben-Klettergarten.

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Klettergarten im Adlitzgraben.

Außerdem kam ich so auf direktem Weg zum Kalte-Rinne-Viadukt, dem höchsten Bauwerk der Semmeringbahn die 1998 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Die 41 Kilometer lange Bahnstrecke von Gloggnitz bis Mürzzuschlag  war 1854 die erste Gebirgsbahn der Welt. Auf der Strecke gibt es 14 Tunnel, 16 Viadukte (mehrere davon zweistöckig) und über 100 gewölbte steinerne Brücken und Durchlässe. Eine für die damalige Zeit unglaubliche technische Meisterleistung.

Ab Breitenstein radelte ich dann die Semmeringstraße bergauf Richtung Semmering, immer wieder vorbei an den sehenswerten Bauwerken der Weltkulturerbe-Strecke.

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Fleischmann-Viadukt im Unteren Adlitzgraben.

Kurz bevor man das ehemalige Südbahnhotel erreicht passiert man den Wolfsbergkogel. Hier kann ich einen Abstecher zum Zwanzig-Schilling-Blick sehr empfehlen. Von dieser Aussichtsplattform hat man eine herrliche Aussicht auf einige Teile der Semmering Bahnstrecke, unter anderem das Kalte-Rinne-Viadukt und den Bahnhof Breitenstein. Für Eisenbahnfans ein Muß! Gleich in der Nähe steht noch die Doppelreiter-Aussichtswarte von der man ebenfalls die atemberaubende Aussicht genießen kann. Ich entschied mich diesmal gegen einen Besuch. Ich habe die Aussichtspunkte auf früheren Wanderungen am Bahnwanderweg schon ein paar Mal besucht. Ausserdem hatte sich das Wetter inzwischen ziemlich eingetrübt und war daher für schöne Panorama-Bilder nicht mehr so gut geeignet. Es begann sogar einmal kurzzeitig mit großen Tropfen aus finsteren Wolken zu regnen. Kurz darauf brach allerdings auch schon wieder die Sonne durch die Wolken.

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Das ehemalige Südbahnhotel am Semmering.
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Blick auf das Südbahnhotel im Vordergrund und das ehemalige Kurhaus in der Bild-Mitte. Links im Hintergrund die Rax und rechts noch einmal der Schneeberg.

Mit der Hochstraße hatte ich inzwischen den für mich höchsten Punkt auf dem Semmering erreicht. Von hier aus sieht man auch hinüber auf das Skigebiet Hirschenkogel. Dann radelte ich noch am 1888 eröffneten Grandhotel Panhans vorbei hinunter auf die Semmering-Passhöhe. Ich hatte damit den Zweiten der beiden Pässe erreicht die ich mir vorgenommen hatte. 

Von der Passhöhe rollte ich dann hinunter ins Fröschnitztal. Beim Ausgang der beiden Scheiteltunnel der Südbahnstrecke machte ich noch einmal eine Pause. Ich hatte unterwegs bisher nur ein paar Energieriegel gegessen. Jetzt war es Zeit für eine richtige Jause. Für mich als Eisenbahn-Fan war das der ideale Rastplatz, kann man doch hier die Züge bei der Aus-und Einfahrt in die Tunnels aus nächster Nähe beobachten.

Die letzten knapp 30 km meiner Runde führten mich dann entlang des Fröschnitzbaches nach Mürzzuschlag wo ich wieder das Mürztal erreichte.

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Mürzzuschlag

Über die nächsten Kilometer war die Straße nass, stellenweise standen sogar Pfützen. Es hatte also inzwischen geregnet. Ich war dem entstehenden Gewitter aber entkommen, da es nördlich an mir vorbeigezogen war. Jetzt kam wieder die Sonne zum Vorschein und begleitete mich auf den letzten Kilometern.

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Brücke über die Mürz bei Langenwang.

Schon etwas müde, aber sehr zufrieden, kam ich wieder Zuhause an. Es war eine wegen der starken Steigungen anstrengende Tour. Aufgrund der Schönheit des Semmeringgebietes mit den vielen sehenswerten historischen Bauwerken und der grandiosen Natur finde ich diese "Weltkulturerbe-Runde" sehr empfehlenswert. 

Möchte man eine kürzere Strecke fahren und trotzdem die ganzen Sehenswürdigkeiten erleben, lässt sich diese Strecke gut mit der Bahn kombinieren. Fast alle 2 Stunden fährt ein Regionalzug mit Fahrradmitnahmemöglichkeit in beide Richtungen und es gibt mehrere Bahnhöfe wo man in den Zug einsteigen kann. Zum Beispiel Mürzzuschlag, Semmering, Breitenstein oder Payerbach.

Ich werde sicher bald wieder eine Tour in diesem Gebiet unternehmen und in meinem Blog darüber berichten.